re:oBerlin
86.360 m²
303.615 m³
PSP Weltner Louvieaux Architekten GmbH, Berlin
Laughing Rock
In unmittelbarer Nähe zum Berliner Ostkreuz wird ein Bürogebäude aus den 1990er-Jahren revitalisiert. Es diente bisher als Hauptsitz der Deutschen Rentenversicherung. Nun wird es für den Bauherrn Laughing Rock nach Plänen von PSP Weltner Louvieaux Architekten saniert und in Teilen umgenutzt. Neben rund 56.000 Quadratmetern Büroflächen entstehen hier künftig zwei Hotels, ein Kindergarten, Gastronomie und auch Einzelhandelsflächen.
„Das Projekt sieht für den Außenstehenden vielleicht nicht nach der spektakulärsten Bauaufgabe aus. Doch aus unserer Ingenieurssicht standen wir vor einigen Herausforderungen, für die wir überraschende und ungewöhnliche Lösungen gefunden haben.“
Das Gebäude besteht aus mehreren achtgeschossigen Riegeln, die in einer Kammstruktur angeordnet sind. Ein weiter, geschwungener dreizehngeschossiger Riegel schließt die offene Seite des „Kamms“. Die Fassade besteht aus einer vorgehängten, sichtbaren Stahlrahmenkonstruktion, die mit Keramikfliesen ausgefacht ist. Größere Änderungen an der Fassade sind nicht geplant – mit einer Ausnahme: Am Querriegel entlang der Schreiberhauer Straße werden über fünf Geschosse hinweg Balkone über Kragarme vor die Fassade gehängt. Sie erfüllen allerdings nur eine optische Funktion und sind – abgesehen für Wartungszwecke – nicht begehbar. Aus Brandschutzgründen erhalten die Abhängungen Sollbruchstellen, um im Brandfall eine Kettenreaktion und den Einsturz der Konstruktion zu verhindern. Da diese Bauweise unüblich ist, wird sie im Feuerwehrplan vermerkt.
Zwei der drei Riegel, die parallel zur Straße Am Bremsenwerk stehen, werden zu Hotels umgebaut. Zwischen ihnen entsteht eine repräsentative Eingangshalle, in der nicht nur die Lobby der Hotels, sondern auch Gastronomie und kleinere Shops eingeplant sind. Um Platz für die Halle zu schaffen, wird der Großteil eines eingeschossigen Gebäudeteils zurückgebaut. Der freigewordene Raum wird künftig von einem Dach überspannt, das auf zwölf filigranen Schirmstützen ruht. Aufgrund der hohen Spannweite von bis zu 7,80 Metern treten allerdings Verformungen auf, für die noch eine Lösung gefunden werden musste. Ein simpler Querstab hätte die Kräfte zwar aufnehmen können, wurde jedoch von den Architekten aus gestalterischen Gründen nicht gewünscht. Als Alternative schlug der Architekt zwei Fachwerkträger an den Giebelseiten der Halle vor. Und tatsächlich: Aufgrund der besonderen Form der Stützen können sie die Kräfte auch über die Hallenlänge von 45 Metern aufnehmen. Vor der Halle bilden vier weitere Schirmstützen als Eyecatcher das Vordach des neuen Haupteingangs. Der bisherige Haupteingang, der sich über zwei Geschosse zwischen den kürzeren Riegeln erstreckte, wird zu einem dreigeschossigen Fahrradparkplatz umgebaut.
Im Inneren der Riegel liegt der Fokus auf dem Umbau der ehemaligen Büroräume zu Hotelzimmern. Dafür mussten Deckendurchbrüche berechnet, Decken geschlossen und mit CFK-Lamellen verstärkt werden.
Ein besonderes Element der Eingangshalle ist eine Wendeltreppe, die sich um 360 Grad windet. Um die Wange torsionssteif zu gestalten, wird sie fest mit den Setz- und Trittstufen verbunden und am Fußpunkt eingespannt.
Eine Anekdote: Lange Zeit galten die Baupläne als verschollen. Bekannt war nur, dass das Gebäude auf einer Bodenplatte steht, die von Bohrpfählen getragen wird. Um die Lage der Pfähle zu bestimmen, setzte ein Spezialist auf Radartechnik aus der Archäologie. Doch das Eisen in der Bodenplatte verhinderte den Erfolg. Schließlich tauchten die Pläne doch noch auf, und das Problem löste sich von selbst.

Bildrechte: PSP Weltner Louvieaux Architekten GmbH


