Markgrafenstraße 11-14Berlin
21.800 m²
82.300 m³
Fischer Architekten GmbH, Berlin
HMG Markgrafenstraße 11-14 S.C.S., Betrange, Luxemburg
In der Berliner Markgrafenstraße entsteht ein Bürogebäude, das sich durch Zurückhaltung auszeichnet. Zwar fällt die plastisch strukturierte Natursteinfassade auf, doch die eigentliche Besonderheit liegt woanders: Wir versuchen, den Bauherrn von Recycling-Beton statt herkömmlichem Beton zu überzeugen.
„Recycling-Beton wird seit rund zehn Jahren erforscht und ist erst seit wenigen Jahren am Markt. AWD war eines der ersten Ingenieurbüros, die sich intensiv mit diesem Baustoff auseinandergesetzt haben und ihn aktiv propagieren.“
Das Projekt hat eine wechselvolle Geschichte. Mehrfach änderte sich der Besitzer des Grundstücks, bevor Fischer Architekten es nun für den belgischen Projektentwickler HMG planen konnten. Das Gebäude besteht aus zwei winklig zueinander stehenden Baukörpern, die ein gestrecktes L formen. Die Grundrisse folgen dem Dreibund-Prinzip: Der zentrale Bund dient der Erschließung und beherbergt Besprechungs- sowie Nebenräume. An den Fassadenseiten liegen Zellen- und offene Büros. Eine Fuge trennt die beiden Baukörper, sodass sie statisch separat berechnet werden.
Die Konstruktion ist denkbar einfach: Sechs Obergeschosse und ein Untergeschoss mit Tiefgarage ruhen auf einer elastisch gelagerten Bodenplatte. Die Lasten der Obergeschosse werden direkt bis zur Abfangebene über dem Untergeschoss abgetragen. Dabei bleiben die Stützen im Foyer auch in den oberen Geschossen an ihrer Position und springen nicht zurück ins eigentliche Stützenraster. Dieses ist mit 5,60 und 8,10 Metern übrigens relativ eng, was den Vorteil hat, dass die Decken ohne Unterzüge auskommen. Trotz einer Stärke von nur 28 Zentimetern tragen sie die angenommenen Lasten. Im Erdgeschoss steigen die Anforderungen an die Decke, da sie eine flexible Nutzung ermöglichen soll. Statt die Dicke zu erhöhen, setzen wir hier auf eine höhere Betongüte. Das enge Raster bringt auch bei der Bodenplatte Vorteile: Außen reicht eine Dicke von 65 Zentimetern, innen genügen 100 Zentimeter. Eine dickere Platte hätte Probleme mit der Wasserhaltung verursacht.
Nachhaltigkeit steht für uns im Mittelpunkt. Bei diesem Projekt schlagen wir deshalb als Alternative zu herkömmlichem Beton Recycling-Beton vor. Das Material besteht teilweise aus recyceltem Bauschutt und reduziert den CO2-Ausstoß um bis zu 50 Prozent. Allerdings liegt die Druckfestigkeit mit C30/37 niedriger, und der Beton erfüllt nicht die Expositionsklasse XD, was ihn für Tiefgaragen ungeeignet macht. Der Einsatz lohnt sich derzeit nur in Ballungsräumen, da Recycling-Beton noch wenig verbreitet ist und lange Transportwege die CO2-Ersparnis schmälern. In Berlin ist der Baustoff also eine echte Alternative.



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