Das Neue GartenfeldBerlin

Das Neue Gartenfeld
BGF
32.370 m²
Architektur
ioo Elwardt & Lattermann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Auftraggeber:in
OIB Verwaltungs GmbH, Grünwald

In Berlin, in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Tegel und umgeben von Kanälen, liegt die Insel Gartenfeld. Fast einhundert Jahre lang war das Areal ein Industriegebiet – Siemens stellte hier Kabel her, bis das Werk Anfang dieses Jahrhunderts geschlossen wurde. Einige der Industriebauten wurden abgerissen, andere blieben denkmalgeschützt stehen. Seither liegt die Fläche brach.

Ein Verfahren für die Umnutzung zum Wohngebiet zog sich einige Jahre hin. Seit 2017 steht die städtebauliche Idee. Nun wird damit begonnen, auf den rund 370.000 Quadratmetern 3700 Wohnungen und eine entsprechende Infrastruktur zu errichten. Städtebaulich gesehen entstehen baufeldübergreifende Bänder mit jeweils individuellen Gestaltungsregeln. Die einzige generelle Vorgabe ist, dass die Gebäude einen Bezug zur industriellen Vergangenheit des Areals herstellen sollen.

Den Anfang machen zwei Baufelder direkt neben dem erhaltenswerten Industriedenkmal „Belgienhalle“, die künftig gewerbliches und kulturelles Zentrum des Quartiers werden soll. Das Architekturbüro ioo Elwardt + Lattermann realisiert für OIB Projekt 38 und die Gewobag zwei mehrgeschossige Gebäudeensembles. Eines davon umfasst ein gestaffeltes Hochhaus mit 12 beziehungsweise 18 Geschossen und einen fünfgeschossigen, U-förmigen Gebäuderiegel. Auf dem benachbarten Baufeld entsteht ein weiteres Wohngebäude mit sechs bis sieben Geschossen. In den Obergeschossen befinden sich Wohnungen, während die Erdgeschosse flexibel für Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen ausgelegt sind. In einem der Gebäude wird zudem eine Kindertagesstätte untergebracht.

Die unterschiedlichen Gebäudehöhen sowie die nur teilweise unterkellerten Baukörper führten zu einer komplexen Geometrie der Bodenplatte mit zahlreichen Versprüngen. Diese mussten sowohl in der Planung als auch in der Ausführung berücksichtigt werden.

Aussteifung und Lastabtragung

Eine besondere konstruktive Herausforderung stellte das Hochhaus dar. Da lediglich ein Treppenhauskern und ein Aufzugskern zur Verfügung stehen, mussten beide Kerne miteinander gekoppelt werden, um die erforderliche Aussteifung des Gebäudes zu gewährleisten. Für die notwendige Gesamtsteifigkeit waren darüber hinaus weitere aussteifende Wände erforderlich. Um im Erdgeschoss dennoch großzügige und flexibel nutzbare Gewerbeflächen zu schaffen, konnten diese Wände nicht bis in die Gründung durchlaufen. Stattdessen wurden sie im Erdgeschoss in wandartige Träger auf Stützen aufgelöst, welche die vertikalen Lasten sowie die aus den aussteifenden Wänden eingeleiteten Horizontalkräfte sicher weiterleiten.

„So konnten die statischen Anforderungen des Hochhauses mit dem offenen Nutzungskonzept des Erdgeschosses in Einklang gebracht werden.“

Sophia Koch, M.ENG.
Projektleiterin
Das Neue Gartenfeld

Bildrechte: BUWOG

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